Ein Blick hinter die Kulissen der Fankultur in Spanien: Fußball als Alltagsmenü

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Author: Ladislav Harsányi

Fußball ist in Spanien eine große Leidenschaft. Seit den 50er Jahren haben hier die größten Fußballstars gespielt. Von Di Stéfano, Puskás, Kubala über Cruyff, Stoickov und Ronaldinho, Figo, Zidane bis hin zum Brasilianer Ronaldo oder zum Portugiesen C. Ronaldo, zum Argentinier Messi.

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Wöchentliches Fußballmenü 

Auf der iberischen Halbinsel ist der Fußball fast das tägliche Brot der Fans. Gehen wir also die Woche komplett durch. Der wöchentliche Spielplan sieht oft wie folgt aus:

Montag: La Liga, Segunda División
Dienstag: Champions League, Copa del Rey
Mittwoch: Champions League, Copa del Rey
Donnerstag: Europa League, Copa del Rey
Freitag: La Liga, Segunda División
Samstag: La Liga, Segunda División
Sonntag: La Liga, Segunda División

Fußball, Politik, Wirtschaft

Diese drei Phänomene sind in Spanien eng miteinander verknüpft. Dies hängt mit der politischen Landkarte Spaniens zusammen, die ein buntes Mosaik aus 17 autonomen Regionen darstellt, die in Provinzen unterteilt sind. Katalonien mit seiner starken Wirtschaft und seinen häufigen Unabhängigkeitsbestrebungen ist natürlich der Hauptakteur. Und so ist der El Clásico zwischen FC Barcelona und Real Madrid logischerweise auch der Inbegriff einer politischen Rivalität. Basken (Bilbao, San Sebastian) und Andalusier (Sevilla) sind soeben stolz auf ihre kulturellen und politischen Wurzeln.

In diesen Städten oder Regionen werden große Derbys ausgetragen. Im Baskenland (Athletic Club – Real Sociedad), in Galicien (Celta Vigo – Deportivo La Coruña), in Asturien (Real Oviedo – Sporting Gijón), auf den Kanarischen Inseln (Las Palmas – Teneriffa). In Katalonien ziehen die Spiele zwischen den Vereinen FC Barcelona – Espanyol – Girona die Aufmerksamkeit auf sich, in Madrid die Stadtvereine Real – Atlético, in der Provinz Alicante das Duell Herkules – Elche, und so weiter.

Die Spiele der La Liga generieren vor allem an den Spieltagen erhebliche wirtschaftliche Einnahmen und Beschäftigungsmöglichkeiten, und dank der Touristen – Fans entwickeln sich die Beherbergungs-, Transport- und Gastronomiedienstleistungen.

In Madrid beispielsweise gibt es enge Verbindungen zwischen Restaurants und Fans. Fußballfans aus aller Welt treffen sich hier vor den Spielen. Zu den beliebtesten Bars in Madrid gehören Asador Donostiarra und Mesón Txistu.

Die Dominanz von Real Madrid und Barcelona

Der beliebteste Verein des Landes ist der 14-fache Champions-League-, bzw. damals EPM-Sieger Real Madrid. Die Königlichen sind auch der spanische Verein mit den meisten Followern in den sozialen Medien, nicht nur in Spanien, sondern auch weltweit mit über 329 Millionen Followern. Knapp dahinter folgt FC Barcelona. Mit mehr als 311 Millionen Followern in den sozialen Medien liegt FC Barcelona in der Beliebtheit nicht weit zurück. Der Drittplatzierte Atlético Madrid liegt mit etwas mehr als 35 Millionen Followern bereits eine Größenordnung darunter.

Hohe Preise für TV-Übertragungen und Eintrittskarten

Fußballspiele auf einem Fernsehbildschirm zu sehen, ist in Spanien kein billiges Vergnügen, sondern die teuerste der fünf europäischen Topligen. Die Fernsehsender Movistar und Orange, die die Rechte an La Liga, La Liga Hypermotion (der kommerzielle Name der zweiten Liga) und der Champions League besitzen, haben die Preise in letzter Zeit sehr hoch getrieben. Wer das komplette Übertragungspaket haben möchte, zahlt 109,45 Euro im Monat

Sowohl auch die Eintrittskarten für die Spiele sind nicht die billigsten. Bei den Dauerkarten kann der Preis pro Spiel gesenkt werden. Laut der Zeitschrift Marca liegen die Preise für Dauerkarten in der niedrigsten Kategorie in der laufenden Saison 2023/2024 zwischen 175 Euro (Granada) und 450 Euro (Cádiz), in der höchsten Kategorie zwischen 540 Euro (Granada) und 2.307 Euro (Real Madrid).

Bei Auswärtsspielen reisen in Spanien nicht so viele Fans zu den gegnerischen Stadien wie in anderen europäischen Topligen, was unter anderem auf die oft großen Entfernungen zurückzuführen ist. Die meisten Vereine haben sich darauf geeinigt, den Eintrittspreis für Auswärtsfans in der laufenden Saison auf 30 € festzusetzen.

Das Zuschauerinteresse in der letzten Saison in La Liga war nicht enttäuschend (durchschnittlich 29.584 Zuschauer pro Spiel), aber es gab auch viele Stadien mit „leuchtenden“ leeren Plätzen. FC Barcelona, der in der letzten Saison noch im Camp Nou spielte (wegen Renovierungsarbeiten wird in dieser Saison im Olympiastadion Montjuic gespielt), hatte mit 83.497 Zuschauern den höchsten Zuschauerdurchschnitt in Europa.

Maskottchen gewinnen an Popularität

Maskottchen sind in Spanien sehr populär. Meist stammen sie aus dem Tier- oder Vogelreich, aber auch ein Baum (Palme), ein Yeti, ein U-Boot oder eine Gurke sind darunter. Einer der ersten Vereine, der die Marketingwirkung eines Maskottchens erkannte, war FC Villarreal. Der Groguet entstand in den gelb-blauen Vereinsfarben in Form eines U-Boots geboren (das gelbe U-Boot ist der Spitzname des Vereins).

Atlético Madrid hat beispielsweise einen Waschbären namens Indi, Valencia eine Fledermaus namens Penata, Deportivo Alaves einen Fuchs namens Zorra Babazorra, Elche einen Fuchs namens Datigol, RCD Espanyol zwei Zwergpapageien namens Perica und Pericu, Levante UD zwei Frösche namens Blau und Granu. In den meisten dieser Fälle hat das ausgewählte Tier einen eindeutigen Bezug zur Stadt oder Region.

Der nächste Verein, der sich für ein einzigartiges Design entschied, war CD Leganés mit Super Pepin, einer Gurke mit einem Superheldenumhang. Das hat damit zu tun, dass die Stadt durch den Anbau von Gurken geprägt ist. Die Figur wurde sehr populär und sorgte in den sozialen Medien für viel Aufsehen. Die Maskottchen trafen sich sogar zum ersten Mal bei einem Wettbewerb, den La Liga in Zusammenarbeit mit dem Zweitligisten CD Leganés im November 2023 im Stadion Municipal Butarque organisierte.

Vereinshymnen als wesentlicher Bestandteil des Fußballs

Sie gehören naturgemäß zu den spanischen Vereinen. Viele von ihnen sind in der Sprache der jeweiligen autonomen Gemeinschaft oder Region verfasst. Das gilt verständlicherweise auch für den katalanischen FC Barcelona. Cant del Barca strahlt ein Gefühl der Brüderlichkeit und Einheit aus. Die Hymne verkörpert die Grundwerte des Vereins: Respekt, Engagement, Ehrgeiz, Teamgeist und Ehrerbietung. Sie wird seit 1974 von den Fans der Blaugranas gesungen.

Real Madrids Hala Madrid y nada más (frei übersetzt: Auf geht’s Madrid und sonst nichts), das anläßlich des 10. Champions-League-Triumphs des Vereins im Jahr 2014 entstand, spiegelt das unerschütterliche Vertrauen des Vereins und seiner Fans wider. Der dramatische Text und die Melodie sollen sowohl die Spieler auf dem Spielfeld als auch die Fans auf der Tribüne inspirieren und eine begeisterte Atmosphäre schaffen.

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