Geschichte der Europameisterschaft – EURO 2020: Das Fußballfest in europäischen Städten

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Author: Ladislav Harsányi

Die Fußball-Europameisterschaft (EURO) wird eines der großen Sportfeste des Kalenderjahres 2024 sein. Anlässlich der Europameisterschaft in Deutschland haben wir eine historische Serie über die Europameisterschaften vorbereitet. Hier ist der achte Teil, der sich auf die EURO 2020 in Städten Europas konzentriert.

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Eine Meisterschaft während der Pandemie

Ursprünglich war es die Idee des ehemaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini, die Endrunde in mehreren europäischen Ländern auszutragen. Dies wurde schließlich für die EURO 2020 umgesetzt, allerdings mit einem Jahr Verspätung, und die Kapazität der Stadien war größtenteils um 25 bis 50 Prozent begrenzt. Grund dafür war die COVID-19-Pandemie, die auch den Fußball für lange Zeit lahmlegte bzw. einschränkte.

Obwohl das Modell eines transnationalen Turniers in der Covid-Ära nicht favorisiert wurde, fand die Meisterschaft schließlich mehr oder weniger an den ursprünglich geplanten Austragungsorten statt (Sevilla ersetzte Bilbao, Dublin fiel aus).

Die Gastgeber waren 11 Länder, 11 Städte und 11 Stadien: Niederlande – Amsterdam (Johan Cruyff Arena), Rumänien – Bukarest (National Arena), Ungarn – Budapest (Puskás Arena), Dänemark – Kopenhagen (Parken Stadium), Schottland – Glasgow (Hampden Park), Spanien – Sevilla (La Cartuja), Italien – Rom (Olympiastadion), Deutschland – München (Allianz Arena), Aserbaidschan – Baku (Olympiastadion), Russland – Peterburg (St. Peterburg Stadium), England – London (Wembley). Die Spiele fanden vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 statt.

Halbfinalisten aus Dänemark

Für die Dänen begann die Weltmeisterschaft beinahe tragisch. Nicht etwa, weil sie im Auftaktspiel gegen Finnland mit 0:1 verloren, sondern weil ihr Mittelfeldspieler Christian Eriksen beinahe ums Leben gekommen wäre. Am Ende der ersten Halbzeit brach er an der Seitenlinie zusammen. Nach fünfzehnminütigen Wiederbelebungsmaßnahmen, die glücklicherweise erfolgreich waren, wurde er bei Bewusstsein ins Krankenhaus gebracht. Die Dänen unterlagen Belgien mit 1:2, hatten aber dank des Sieges gegen Russland und der Niederlage Finnlands gegen Belgien noch alle Chancen auf das Weiterkommen.

In der nächsten Phase steigerte sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel, besiegte im Achtelfinale Wales (4:0), im Viertelfinale die Tschechen (2:1) und musste sich erst im Halbfinale England in der Verlängerung durch ein Tor von Harry Kane mit 2:1 geschlagen geben. Italien und Spanien standen sich nach 120 Minuten 1:1 gegenüber. Im Elfmeterschießen hatten die Italiener mehr Glück (4:2).

Der englische Elfmeterfluch

Wird Albion nach dem Triumph bei der Weltmeisterschaft 1966 endlich auch die Meisterschaft auf dem alten Kontinent gewinnen? Und wieder in Wembley, wenn auch in einem neuen Stadion? In der 2. Minute des Endspiels gegen Italien war er dem Ziel näher als sein Gegner, als Luke Shaw das schnellste Tor des EM-Finale erzielte.

Doch nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit glich Leonardo Bonucci aus. Danach fielen keine Tore mehr. Der Sieger musste im Elfmeterschießen ermittelt werden, bei dem Belotti in der zweiten Serie scheiterte und Rashford im dritten Versuch die Latte traf. In der vierten Serie rettete Donnarumma gegen Sancho, Englands Torhüter Pickford hielt gegen Jorginho, doch in der fünften Serie parierte auch der italienische Keeper einen Schuss von Saka. Die Engländer bestätigten wieder einmal, dass es denen das Elfmeterschießen nicht geht.

„Heute Abend sind wir zu Legenden geworden“
Leonardo Bonucci, Verteidiger der Europameister

Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte wurden die italienischen Fußballer Europameister. Italien wiederholte seinen Erfolg von 1968, als Jugoslawien in einer Wiederholung des Endspiels mit 2:0 besiegte. In den Jahren 2000 und 2012 gelang Italien den Europameistertitel nicht gewinnen. Die Italiener bauten ihre Serie auf 34 ungeschlagene Spiele aus. Die Mannschaft wurde von Trainer Roberto Mancini geführt. Torhüter Gianluigi Donnarumma, Verteidiger Leonardo Bonucci, Mittelfeldspieler Jorginho und Stürmer Federico Chiesa waren die Leistungsträger.

Finale: Italien – England 1:1 n.V. (1:1, 0:1), 3:2 n.E.
Tore: 66. Bonucci – 2. Shaw.
Schiedsrichter: Kuipers (Hol.) – 67.173 Zuschauer. Das Spiel fand am 11. Juli 2021 im Wembley Stadion in London statt.

Europameister-Mannschaft: Donnarumma – Di Lorenzo, Bonucci, Chiellini, Emerson (118. Florenzi) – Barella (54. Cristante), Jorginho, Verratti (96. Locatelli) – Chiesa (86. Bernardeschi), Immobile (55. Berardi), Insigne (91. Belotti)

Fakten EURO 2020

  • Torschützenkönig des Turniers wurde mit 5 Treffern Cristiano Ronaldo, der mit gesamt 14 Toren der erfolgreichste Torschütze in der Geschichte des EM-Turniers wurde. Der Tscheche Patrik Schick erzielte ebenfalls 5 Tore, hatte aber im Gegensatz zu CR7 keinen Assist.
  • Italien gewann den Titel nach 53 Jahren, die längste Pause zwischen zwei Titelgewinnen für ein Land.
  • Es wurden gesamt 142 Tore erzielt, am meisten in der Geschichte des EM-Turniers, und der Durchschnitt von 2,78 Toren pro Spiel ist ebenfalls ein Rekord.
  • Der Pole Kacper Kozlowski war mit 17 Jahren und 246 Tagen der jüngste Spieler, der je an einer Europameisterschaft teilnahm. Er überholte damit den Engländer Jude Bellingham, der sechs Tage vor ihm Rekordhalter geworden war.
  • Bereits in der Gruppenphase wurde die höchste Anzahl an Eigentoren bei einer Europameisterschaft übertroffen: Zwei von acht Eigentore in der Gruppenphase erzielten Slowaken (Dúbravka, Kucka), mit Lukáš Hradecký, der für Finnland im Tor stand, kam ein weiterer Spieler aus Bratislava hinzu. Insgesamt fielen im Turnierverlauf 11 Eigentore.
  • Mit dem 0:5 gegen Spanien kassierte die Slowakei die höchste Niederlage des Turniers.